Monday, 13. april 2009
1
13
/04
/Apr.
/2009
12:22
Mogadischu. Das Geiseldrama vor Somalia ist beendet. Der US-Kapitän Richard Phillips konnte von der US-Marine aus der Gewalt der Piraten befreit werden. Er ist unverletzt. Drei der vier
Piraten kamen bei dem Feuergefecht ums Leben. Phillips war fünf Tage in Piratenhand gewesen.
Fünf Tage nach seiner Entführung vor der Küste Somalias ist der US-Kapitän Richard Phillips wieder frei. Der 53-Jährige wurde am Sonntag von der US-Marine aus der Hand von Piraten gerettet, wie
seine Reederei Maersk Shipping Line mitteilte. Bei der Kommandoaktion seien drei Seeräuber getötet und einer gefangengenommen worden. Dem Kapitän selbst gehe es gut, teilte die Marine später mit.
Er werde jetzt auf dem Kriegsschiff «USS Boxer» medizinisch versorgt.
US-Präsident Barack Obama pries den Mut des Geretteten. Er sei «ein Vorbild für alle Amerikaner». Nach Angaben aus Regierungskreisen hatte Obama die Rettungsaktion persönlich angeordnet. Er selbst
erklärte am Sonntag, die Sicherheit von Kapitän Richard Philipps habe für ihn stets höchste Priorität gehabt.
Die vier Seeräuber hatten mit ihrer Geisel seit Mittwoch in einem Rettungsboot der «Maersk Alabama» ausgeharrt, von der Phillips entführt worden war. Die das Seegebiet patrouillierende US-Marine
verhinderte am Samstag, dass andere gekaperte Schiffe, darunter die deutsche «Hansa Stavanger», den bedrängten Piraten zu Hilfe kommen konnten. Auch konnten die vier Entführer angesichts der
Kriegsschiffe nicht mit ihrer Geisel an Land gelangen.
Kurzes Feuergefecht
Dennoch hielt sich die US-Marine zunächst zurück, um das Leben des Kapitäns nicht zu gefährden. Über somalische Clanchefs wurden mit den Piraten Verhandlungen aufgenommen, die aber am Samstagabend
scheiterten. Laut Gewährsleuten vor Ort hatten die USA darauf bestanden, dass die Piraten festgenommen werden müssten. Die somalischen Vermittler seien jedoch nur bereit gewesen, eine Freilassung
von Phillips gegen freies Geleit für die Seeräuber auszuhandeln.
Bei der Befreiungsaktion kam es dann offenbar doch zu einem kurzem Feuergefecht, bei dem der Kapitän nach Angaben der Marine aber unversehrt blieb. Der gefangene Pirat befand sich am Sonntagabend
in US-Militärgewahrsam. Ein Beamter der Bundespolizei FBI erklärte jedoch, er werde wohl eher vor ein ziviles Strafgericht gestellt. Der Fall werde aber noch geprüft.
Kapitän als Held gefeiert
Die Mannschaft von Phillips brach in Jubelrufe aus, als sie von der Befreiung ihres Kapitäns hörte. Die 19 Besatzungsmitglieder des Frachters «Maersk Alabama» waren am Samstagabend sicher im
kenianischen Hafen Mombasa eingetroffen. Sie feierten Phillips als Helden. «Er hat unser Leben gerettet», sagte ein Matrose. Demnach wies der Kapitän die Mannschaft bei dem Piratenüberfall an, sich
in Sicherheit zu bringen und einzuschließen. Dann habe er sich den somalischen Seeräubern ergeben, um seine Männer zu retten.
Für die Zeitung «New York Daily News» verkörpert Phillips damit «die edle Tradition von Heldentum auf hoher See». John White, ein Mitglied der Crew, sagte dem Sender CBS, Phillips habe sich bei dem
Piratenüberfall anders als alle anderen Besatzungsmitglieder nicht versteckt. «Mit anderen Worten: Er hat sich den Piraten ergeben, um den Rest der Mannschaft zu schützen.»
Weltkarte mit Angaben zur Zahl der Piratenüberfälle 2008 nach Regionen bzw. Ländern.
Phillips stammt aus dem Neuengland-Staat Vermont, er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. 1979 machte er an der Marine-Akademie in Boston im Bundesstaat Massachusetts seinen Abschluss,
seitdem fährt er zur See. Fotos zeigen einen freundlichen Mann mit Brille und grauem Bart. Angehörige, Freunde und Nachbarn beschreiben Phillips als ruhig und fleißig.
Phillips' Ehefrau Andrea zeigte sich schon vor dem Ende des Geiseldramas optimistisch, dass ihr Mann freikommen werde. «Er ist ein intelligenter Mann», sagte Andrea Phillips. «Ich weiß, dass er da
gut herauskommt.»
Schiff wird untersucht
Die «Maersk Alabama» soll von Spezialisten der US-Bundespolizei FBI überprüft werden. Das Schiff sei in ein Verbrechen hineingezogen worden, so dass eine Spurensicherung notwendig sei, teilte die
Reederei Maersk Shipping Line im US-Staat Virginia mit. Ferner solle die 19-köpfige Besatzung detailliert vernommen werden. Deshalb dürften die Männer vorerst auch noch nicht von Bord
gehen.
Kein Zeichen von entführtem italienischen Schlepper
Unterdessen gibt es einen Tag nach der Entführung eines italienischen Schleppers vor der Küste Somalias noch immer kein Lebenszeichen von der Besatzung. Angehörige warteten am Sonntag voller Sorge
auf eine Nachricht von den 16 Besatzungsmitgliedern. An Bord der «Buccaneer» befanden sich nach Angaben der Reederei Micoperi zehn Italiener, fünf Rumänen und ein Kroate.
Das Außenministerium in Rom erklärte, das italienische Kriegsschiff «Maestrale» habe inzwischen das Seegebiet erreicht, wo die «Buccaneer» entführt worden sei. Weitere Einzelheiten wurden nicht
mitgeteilt, um das Leben der Seeleute nicht zu gefährden. Der Schlepper befand sich auf dem Weg von Singapur nach Suez und zog bei dem Überfall am Samstagmorgen zwei Lastkähne.
Die vier Franzosen hingegen, die am Freitagabend aus ihrem von Piraten entführten Segelschiff gerettet worden waren, trafen in Paris ein. Eine fünfte Geisel kam ums Leben, als französische Soldaten
das Boot «Tanit» erstürmten. Drei Seeräuber wurden gefangengenommen.
Laut dem französischen Verteidigungsminister Hervé Morin kann vorerst nicht ausgeschlossen werden, dass die tödliche Kugel auf die männliche Geisel von französischen Soldaten abgefeuert wurde.
Näheres soll eine Obduktion klären. Die Witwe des Mannes, ihr gemeinsames dreijähriges Kind und zwei Freunde blieben unverletzt und kehrten jetzt nach Frankreich zurück.